
Im September 2024 wählte die Mitgliederversammlung des CampusAsyl e.V. einen neuen Vorstand für die kommenden zwei Jahre. Zu den fünf gleichberechtigten Mitgliedern zählen unter anderem Aria (Hamid Reza) Eftekharitalab und Valeriia Mishkurova. Einige Monate nach Aufnahme ihrer ehrenamtlichen Vorstandstätigkeit hat sich Paul aus dem Team Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit den beiden zum Interview getroffen.
Aria fand nach seiner Ankunft in Deutschland bei CampusAsyl Unterstützung und neue Hoffnung. Er engagiert sich aktiv im Sprachcafé und im Tower-Treff und ist als Projektassistenz im Projekt BUF (Begleiten – Unterstützen – Fördern) tätig. Seine Erfahrungen motivieren ihn, anderen Geflüchteten zu helfen, ihren Weg in Deutschland zu finden. Valeriia brachte sich bereits als Dolmetscherin bei Schulungen ein, organisierte Führungen für Teilnehmer*innen des Sprachcafés und nahm an Radtouren teil.
In diesem Interview teilen Aria und Valeriia ihre persönlichen Geschichten, ihre Motivation und ihre Visionen für die zukünftige Entwicklung von CampusAsyl. Sie geben u.a. Einblicke in ihre Pläne, wie sie die Arbeit des Vereins weiter stärken und die Integration von Geflüchteten in Regensburg fördern wollen.
Aria
Was hat dich motiviert, Teil des CampusAsyl-Vorstands zu werden?
Aria: Ich lebe seit etwa zwei Jahren und drei Monaten in Deutschland. Am Anfang hatte ich keine Deutschkenntnisse und fühlte mich in der Gesellschaft sehr allein. Zufällig bin ich auf CampusAsyl gestoßen und habe angefangen, an verschiedenen Gruppen teilzunehmen.
Dadurch habe ich viele Menschen kennengelernt und versucht, mein Deutsch zu verbessern. Später habe ich festgestellt, dass viele Menschen, die bei CampusAsyl aktiv sind, diese Arbeit ehrenamtlich und ohne jegliche Vergütung leisten.
Deshalb habe ich mich später ebenfalls als Koordinator bei CampusAsyl engagiert. Diese Zusammenarbeit hat mir geholfen, Mitglieder des Vorstands kennenzulernen.
Sie schlugen mir vor, mich für die nächste Amtsperiode aufstellen zu lassen, da ich sehr gute Beziehungen zu Menschen aufbauen kann und für diese Aufgabe geeignet sei.
Zunächst hatte ich Angst, Verantwortung zu übernehmen. Doch als ich merkte, dass ich die Unterstützung des Teams habe und Vertrauen in meine Fähigkeiten gewonnen habe, entschied ich mich, die Verantwortung anzunehmen. Ich hoffe, dass ich diese Verantwortung gut erfüllen kann.
Welche Ziele hast du dir für die Amtszeit gesetzt?
Aria: Mir ist es wichtig, dass die Arbeit von CampusAsyl in ihrer bisherigen Form fortgesetzt wird. Die bisherigen Vorstände und Mitglieder haben die Ziele von CampusAsyl erfolgreich vorangetrieben, und ich möchte sicherstellen, dass dieser Prozess kontinuierlich weitergeht.
Besonders am Herzen liegt mir, dass wir weiterhin Menschen unterstützen, die auf Hilfe angewiesen sind. Unser Ziel sollte es sein, Geflüchtete, Deutsche, Studierende und alle Menschen in Regensburg – oder sogar darüber hinaus – zu vereinen. Wir möchten eine starke Gemeinschaft schaffen, in der alle einander unterstützen und voneinander lernen können.
Ein weiteres Ziel ist es, uns noch stärker für die Rechte der Geflüchteten einzusetzen. Es ist unser Anliegen, sie zu stärken und zu verteidigen, damit sie in der Gesellschaft ihren Platz finden und ein erfülltes Leben führen können.
Welche Rolle sollen Ehrenamtliche in euren zukünftigen Planungen spielen?
Aria: Die Ehrenamtlichen spielen eine essenzielle Rolle, und wir bemühen uns, sie an unserer Seite zu haben und weitere Menschen für das Ehrenamt zu gewinnen.
Wir möchten noch mehr Freiwillige motivieren, uns zu unterstützen und mit uns zusammenzuarbeiten. Denn ich bin überzeugt, dass wir mit ihrer Hilfe eine starke Verbindung zwischen Migranten, Geflüchteten und der Regensburger Gemeinschaft aufbauen können.
Was bedeutet CampusAsyl für dich persönlich?
Aria: Für mich bedeutet CampusAsyl die Möglichkeit, aktiv zur Integration und Unterstützung von Geflüchteten beizutragen.
Es ist ein Ort, an dem Menschen aus verschiedenen Kulturen und Hintergründen zusammenkommen, um voneinander zu lernen, sich gegenseitig zu unterstützen und eine starke Gemeinschaft zu bilden. Campus Asyl ist nicht nur eine Organisation, sondern auch eine Quelle der Inspiration, um das Leben von Geflüchteten zu verbessern und ihren Weg in die Gesellschaft zu erleichtern.
Für mich persönlich ist es auch eine Chance, mich weiterzuentwickeln und von den Erfahrungen anderer zu lernen.
Welche Erfahrungen aus deiner eigenen Tätigkeit willst du in die Vorstandsarbeit einbringen?
Aria: Ich bin seit fast zwei Jahren freiwillig bei CampusAsyl aktiv. In dieser Zeit habe ich in verschiedenen Gruppen mitgewirkt und viele Menschen kennengelernt.
Von Anfang an war ich ein Teil dieser Gemeinschaft und habe immer versucht, aktiv dabei zu bleiben. Auch heute bin ich eng in die Arbeit eingebunden und pflege enge Beziehungen zu den Geflüchteten. Diese Verbindungen helfen mir, ihre Herausforderungen und Bedürfnisse besser zu verstehen und aktiv zur Lösung ihrer Probleme beizutragen.
Wie bleibst du selbst motiviert und inspiriert, in der oft herausfordernden Arbeit für Geflüchtete?
Aria: Meine Motivation ziehe ich aus dem positiven Einfluss, den wir auf das Leben von Geflüchteten haben. Wenn ich sehe, wie selbst kleine Beiträge große Veränderungen bewirken, weiß ich, dass unsere Arbeit wichtig ist.
Außerdem inspiriert mich die Zusammenarbeit mit Menschen aus verschiedenen Kulturen und das Hören ihrer Lebensgeschichten. Es zeigt mir, dass wir alle miteinander verbunden sind und gemeinsam eine bessere, unterstützende Gemeinschaft schaffen können.
Valeriia
Was bedeutet CampusAsyl für dich?
Valeriia: Für mich ist CampusAsyl ein Ort, an dem man aktiv Menschen helfen kann und sieht, dass die eigenen Bemühungen tatsächlich einen Unterschied machen.
Es ist ein Raum, in dem jeder das Gefühl haben kann, etwas Sinnvolles beizutragen. Die Erfolgsgeschichten derjenigen, denen wir helfen konnten, inspirieren mich immer wieder und erinnern mich daran, warum es sich lohnt, diese Arbeit zu tun.
Wie planst du, die bestehende Arbeit von Campus Asyl weiterzuentwickeln?
Valeriia: Ich denke, es ist wichtig, die aktuellen Projekte zu stärken, sie nachhaltiger zu gestalten und für Geflüchtete noch besser zugänglich zu machen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Weiterentwicklung von Bildungsinitiativen wie Sprachkursen.
Zudem sollte die Kommunikation zwischen allen Projektbeteiligten verbessert und das Bewusstsein für die Arbeit von CampusAsyl in der Gesellschaft gestärkt werden. Ebenso essenziell ist es, regelmäßig Feedback von Geflüchteten einzuholen, damit unsere Initiativen bestmöglich auf ihre tatsächlichen Bedürfnisse abgestimmt sind.
Welche sozialen oder politischen Veränderungen bereiten dir Sorgen?
Valeriia: Die weltweite Lage ist derzeit instabil: Wirtschaftliche Probleme, die zunehmende Zahl von Geflüchteten und anhaltende Kriege betreffen das Leben von Millionen Menschen.
All dies bereitet natürlich Sorgen, da es sich direkt auf die Lebensbedingungen von Geflüchteten auswirkt. Die Herausforderung besteht darin, flexibel und effektiv auf diese Veränderungen zu reagieren und Lösungen zu finden, die den Menschen helfen, mit den schwierigen Umständen umzugehen.
Diese Herausforderungen erfordern Flexibilität, Besonnenheit und Widerstandsfähigkeit. Deshalb muss jede Aufgabe mit großer Sorgfalt und unter besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse der Geflüchteten angegangen werden.
Wie gestaltet ihr die Kommunikation zwischen dem Vorstand und den Projektgruppen?
Valeriia: Effektive Kommunikation ist ein Schlüssel zum Erfolg. Um die Verbindung zwischen dem Vorstand und den Projektgruppen aufrechtzuerhalten, ist es wichtig, regelmäßige Treffen zu organisieren, bei denen Ideen ausgetauscht und aktuelle Fragen geklärt werden können.
Bei CampusAsyl nutzen wir praktische digitale Tools, damit alle stets über aktuelle Entwicklungen und Aufgaben informiert bleiben. Offenheit und Erreichbarkeit in der Kommunikation sind essenziell, um Vertrauen und Zusammenarbeit auf allen Ebenen der Organisation zu stärken.
Wie motiviert ein gutes Team, um weiterzumachen?
Valeriia: Ein gutes Team inspiriert, weil jeder in einer solchen Umgebung Unterstützung und Verständnis erfährt. Mit Gleichgesinnten zu arbeiten, die gemeinsame Ziele teilen, hilft dabei, die Motivation auch in schwierigen Momenten aufrechtzuerhalten. Die Erfolge des Teams, gegenseitige Hilfe und die Möglichkeit, die greifbaren Ergebnisse der eigenen Arbeit zu sehen, geben Kraft, weiterzumachen und neue Ziele zu erreichen.
Die Interviews führte Paul Przybilla.